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B-TW 243 / 2026, Ein alter und neuer Weg

Tageswanderung vom 20. Juli 2026


Walliser Vielfalt

In der Sprachwissenschaft würde man es als «falschen Freund» bezeichnen: Dass unser Startort Randogne ganz ähnlich heisst wie das französische Wort für Wanderung (randonnée), ist reiner Zufall. Dass wir unsere Wanderung auf dem Chemin des contrées jedoch nicht im markierten Startort Mollens beginnen, ist hingegen kein Zufall. Der Grund liegt darin, dass der Weg ab Mollens auf den ersten Kilometern wenig reizvoll einer Quartierstrasse folgt.

So steigen wir zunächst auf teilweise alten Saumwegen recht steil ab, bis wir oberhalb der Standseilbahn Sierre–Montana–Crans auf den erst seit wenigen Jahren durchgehend markierten Chemin des contrées gelangen. Ohne nennenswerte Höhenunterschiede führt uns dieser durch die immer ursprünglicher wirkenden Gebiete Les Chertines, Les Echerts und Le Boup, die noch bis vor etwas mehr als sechs Jahren unzugänglich waren. Im Rutschgebiet Le Boup sollen gemäss einer lokalen Legende sogar Hexereien stattgefunden haben. Davon ist heute zwar nichts mehr zu sehen, doch die unzähligen Farbtöne des Gips- und Schiefergesteins besitzen durchaus ihren eigenen Zauber.

Nach einem kurzen Aufstieg nach Les Routix, der herrlichen Weide vor dem Dorf Diogne, finden wir eine mächtige Eiche, die uns ausreichend Schatten für die Mittagspause spendet. Inzwischen ist es am Hang bereits recht warm geworden. Durch Diogne und oberhalb von Chermignon-d’en-Bas erreichen wir den Grand Bisse de Lens. Im Gegensatz zum zuvor begangenen Weg existiert dieser Wasserlauf bereits seit Jahrhunderten. Zunächst verläuft unsere Wanderung als angenehme Suonenwanderung im Schatten. Nach und nach wird die Landschaft jedoch immer wilder und nimmt stellenweise einen fast steppenartigen Charakter an. Unterhalb des Hügels Le Châtelard, auf dessen Kuppe die rund 15 Meter hohe Christusstatue weithin sichtbar thront, macht der Grand Bisse einen markanten Richtungswechsel. Hier beginnt sein spektakulärer Verlauf entlang steiler Felswände. Mit immer wieder eindrucksvollen Ausblicken auf Sitten und das Unterwallis erreichen wir schliesslich – erneut nahezu ohne Höhenunterschiede – Icogne, von wo uns das Postauto nach Sitten bringt.

Im Juli 2026 / Simon Johner; Bilder: Gaby Strahm

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